Wie habt ihr von den Kündigungen erfahren? Gab es schon vorher Anzeichen, dass so etwas bevorstehen könnte?
Nun, generell hätten wir vielleicht vorbereitet sein können, haben jedoch konkret nicht mit einem Angriff auf unsere Struktur von dieser Seite gerechnet. Gerade von Seiten einer Bank wie der GLS, der wir aufgrund ihres formulierten Selbstverständnisses vertraut hatten, so weit einer Bank eben zu vertrauen wäre, hatten wir diesen Schritt nicht erwartet. Wir hatten schon beobachtet, dass es Kontenkündigungen gab, z.B. gegen den Mehring Verlag und Gruppen der Klimagerechtigkeitsbewegung. Als es gegen die DKP ging, wurde deutlicher, dass auch wir betroffen sein könnten; und dann kamen auch noch Nachfragen der GLS zu den Spendensammlungen zugunsten von Personen, die vom sogenannten „Antifa-Ost-Verfahren“ betroffen sind. Danach ging es dann sehr schnell, dass uns die Konten gekündigt wurden.
Welchen politischen Hintergrund vermutet ihr hinter den Kündigungen?
Mit der oben genannten Nachfrage ist das deutlich: Es geht um eine politische Entscheidung der Bank, uns die Zusammenarbeit aufzukündigen, und nicht um wirtschaftliche oder sonstige Gründe.
Wir vermuten, dass dies mit der Politik der US-amerikanischen Regierung zu tun hat. Die zeitliche Nähe zur Entscheidung, eine sogenannte „Antifa Ost“ als ausländische Terrororganisation zu listen, ist auffällig. Diese Definition wurde von der Bundesregierung nicht übernommen – im Gegenteil: Offizielle Stellen haben mehrfach betont, dass keine erhebliche Gefährdung mehr von Personen oder Gruppen ausgeht, die unter diesem Begriff kurzerhand zusammengefasst wurden.
Trotzdem entfaltet die US-Terrorlistung reale Wirkung. Banken, die mit betroffenen Organisationen in Verbindung stehen, drohen Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus dem globalen Zahlungsnetz SWIFT. In der Praxis genügt schon der bloße Eindruck eines Risikos, um Konten zu kündigen. Was wie „Compliance“ aussieht, ist also hochpolitisch – und führt dazu, dass äußerst fragwürdige US-Definitionen von Terrorismus in Europa exekutiert werden.
Schon die Konstruktion einer Organisation namens „Antifa“ oder gar einer „Antifa-Ost“ ist ja absurd und auch die damit zusammenhängenden Strafverfahren fußen auf einer äußerst fragwürdigen Beweislage. Bei der DKP scheint es sich vorrangig um das Sammeln zugunsten von Solidaritätsprojekten mit Kuba zu handeln, wobei das ganze Land Kuba wohl als „terroristisch“ gilt. Das zeigt, wie willkürlich die Vergabe dieser Definition ist. In den Augen der US-Administration stand ja auch Nelson Mandela bis kurz vor seinem 90. Geburtstag im Jahre 2013 noch auf der Liste der international gesuchten „Terroristen“.
Die Entscheidungen der US-Regierung könnten also durchaus bald auch Beratungsstellen für Schwangere treffen, queere Selbstorganisationen oder feministische genauso wie antirassistische Gruppen.
Wie wir gerade erleben, sind auch zivilgesellschaftliche Gruppierungen wie HateAid ins Visier genommen worden. Die Gesellschaft sollte sich fragen, wie weit sie sich dem Diktat aus Washington zu beugen bereit ist.
Wie kann man euch jetzt unterstützen?
Die einfachste Sache, um Unterstützung zu zeigen, ist: Mitglied werden. Wir brauchen sicher mehr finanzielle Mittel, auch für unsere Selbstverteidigung. Eine Mitgliedschaft in der Roten Hilfe e.V. sichert uns das langfristig, genauso wie auch eine langfristige weitere Unterstützung der von Repression betroffenen Personen durch uns damit gesichert werden kann.
Wir versuchen über den Vorgang eine breite Diskussion anzustoßen und auch dafür brauchen wir Kooperationen in vielfältiger Hinsicht. Das fängt damit an, dass Einzelne in ihrem Bekannten-, Familien- und Kolleg*innenkreis darüber debattieren, in ihren eigenen jeweiligen Organisationen Solidaritätsresolutionen oder -aktionen einfordern und vieles mehr.
Was den Einzelnen am ehesten entspricht, können und wollen wir nicht vorgeben, wichtig scheint uns aber, dass überhaupt auf diesen perfiden Versuch, zivilgesellschaftliches Engagement auszutrocknen, reagiert wird.
Gibt es Bestrebungen, eine gemeinsame Kampagne mit DKP und Anarchist Black Cross zu machen, die auch von Kündigungen ihrer Konten betroffen sind?
Es gab und gibt Gespräche und auch schon gemeinsame Podien. Wir sind aber noch ganz am Anfang des Prozesses der Gegenwehr. Jetzt sind wir getroffen, aber um uns diesen Symptomen des Rechtsrucks entgegenzustellen, ist die ganze Zivilgesellschaft gefragt. Wir erleben auch schon jetzt, dass sich viele Menschen gegen das Debanking organisieren. Das ist großartig und muss noch viel mehr werden, damit wir erfolgreich sein können.
Festzuhalten ist schon einmal: Unseren Gegner*innen sind die Unterschiede innerhalb der Linken egal, sie zielen auf uns alle. Für uns folgt, was wir als Rote Hilfe e.V. immer vertreten: Erforderlich ist eine gemeinsame Gegenwehr gegen staatliche Repression!
Besonders erforderlich ist das angesichts der sich zuspitzenden gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, der repressiven Gesetze gegen Arme, der steigenden Kosten für ein Dach über dem Kopf, der Kürzungen im Gesundheitswesen, der Wiedereinführung des Kriegsdienstes, etc., die Liste ist fast beliebig ausführbar …
Termine für den Zeitraum April 2026 bis August 2026
April 2026
Beendet
Ostermärsche
04.04.2026 verschiedene Orte
Exkursion : Solidarische Hilfe – auf den Spuren des Wuppertal-Komitees
90 Jahre Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse – Gewerkschaftlicher Widerstand und internationale Solidarität
18.04.2026
14:30 - 16:30 Verzetsmuseum (Widerstandsmuseum) Plantage Kerklaan 61 1018 CX Amsterdam 
Demokratie in Gefahr? Repressive Toleranz und marktkonforme Demokratie
Vortrag und Diskussion mit Andreas Fisahn (Universität Bielefeld)
29.04.2026
19:00 - 21:00 Bürgerwache am Siegfriedplatz Rolandstraße 16 33615 Bielefeld 
Mai 2026
Kundgebungen und Fest zum 1. Mai
01.05.2026
verschiedene Orte
Mut zur Menschlichkeit - Vernunft , Haltung und Courage
Rolf Becker und seine pol. Haltung
Ulrich Klan, Musiker und Vorsitzender der Armin T. Wegner Gesellschaft
Ulrich Franz und Beatrix Sassermann, politische Weggefährten
Olaf Reitz, Sprecher
Rudi Rhode, Musiker
Regina Potarczyk, Moderation
05.05.2026
17:30 - 19:00 Wuppertal Kolpingstr. 8 Stadtbibliothek

Samstag, den 5.4.26 sind Tausende Jugendliche in Kuba zum Jahrestag der Gründung der Organización de Pioneros José Martí (OPJM) und des Jugendverbandes der KP, der Unión de Jóvenes Comunistas (UJC), auf die Straße gegangen. Bereits am Donnerstag der vergangenen Woche sind tausende junge Kubaner:innen dem Aufruf des UJC zu einem Protestmarsch gegen die Blockadepolitik der USA gefolgt. Der Demonstrationszug endete vor der US-Botschaft in der kubanischen Hauptstadt. amerika21
Das Netzwerk No Kings meldet Aktionen in allen 50 Bundesstaaten. Organisatoren sprechen von acht Millionen Teilnehmenden. Amerika 21

Brasilianische Gewerkschaften und soziale Bewegungen erhöhen den Druck, Treibstoff nach Kuba zu liefern. Mit dem Start der Kampagne "Öl für Kuba" haben sich die solidarischen Kräfte gebündelt. Amerika 21
Die kubanische Gesellschaft ist geschockt über den Angriff des US-Militärs. Bereits nach ersten Analysen kubanischer Sicherheitsexperten wurde klar, dass die als "Staatsterror" eingestufte Militäraktion von den US-Spezialeinheiten durch den Zusammenbruch der Verteidigungs-, Geheimdienst- und Spionageabwehr-struktur Venezuelas ermöglicht wurde. Kubanische Beobachter vermuten einen Verrat. ....Amerika21
Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V. in Tübingen hat eine Handlungshilfe für Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertrauensleute veröffentlicht:

„Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon. Er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich scheint mir der Krieg …“.
Kriegsmüde – das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein das heißt, müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos… Kriegsmüde hat man immer zu sein, d.h. nicht nachdem, sondern ehe man einen Krieg begonnen hat. Aus Kriegsmüdigkeit werde der Krieg nicht beendet, sondern unterlassen…
Karl Kraus, 1918
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